Streetfishing 6 Min. Lesezeit

Barsch im Rhein-Herne-Kanal: Streetfishing an den Kaimauern

Zwischen Spundwänden, Pollern und Betonkanten stehen im Rhein-Herne-Kanal mehr Barsche, als du denkst. Leichtes Gerät, kleine Gummis, wenig Gepäck: so ziehe ich mobil an den Kaimauern entlang.

Barsch
PredatorIQ Mascot
PredatorIQ Autor · Raubfisch-Experte
Barsch im Rhein-Herne-Kanal: Streetfishing an den Kaimauern

Ein aufgeklapptes Fahrrad, eine Rutentasche über der Schulter, eine kleine Umhängebox mit ein paar Tütchen Gummi. Mehr brauche ich nicht, wenn ich im August an den Rhein-Herne-Kanal fahre. Kein Kescher am Rücken, kein Rutenständer, kein Schnickschnack. Streetfishing im Ruhrgebiet ist mobiles Angeln in Reinform, und die Barsche entlang dieser endlosen Betonkanten sind der Grund, warum ich immer wieder komme.

Warum ausgerechnet der Kanal

Viele Angler fahren am Rhein-Herne-Kanal vorbei und sehen nur graues Wasser zwischen grauen Wänden. Ich sehe Struktur, so weit das Auge reicht. Der Kanal ist ein Industriegewässer durch und durch, und genau das macht ihn für Barsch so interessant. Über Kilometer ziehen sich Spundwände aus Stahl, unterbrochen von alten Verladekaien, Pollern, Leitern, Dalben und den Resten früherer Anlegestellen. Jede dieser Kanten ist eine Adresse. Barsche sind Kantenfische, sie lieben harte Übergänge, Schatten und Deckung, und davon gibt es hier mehr als an fast jedem natürlichen Gewässer.

Dazu kommt, dass sich das Wasser im Kanal kaum bewegt. Keine starke Strömung, kein Hochwasser, das dir die Spots wegreißt. Das macht die Fische berechenbar. Wenn ich an einer Leiter im Juni einen Schwarm gefunden habe, stehen die Nachfahren im August meistens keine zehn Meter davon entfernt. Der Kanal vergisst seine guten Stellen nicht.

Das Gerät: so leicht wie möglich

Streetfishing lebt davon, dass du dich leicht machst. Ich fische am Kanal eine Rute um die 2,10 Meter mit einem Wurfgewicht bis etwa 15 Gramm, dazu eine kleine 2500er Rolle und eine dünne geflochtene Schnur um die 0,08 Millimeter. Vorne kommt ein gut zwei Meter langes Fluorocarbon-Vorfach in 0,20 bis 0,22 Millimeter dran. Das reicht für die meisten Barsche locker, und wenn mal ein Zander oder ein kleiner Hecht dazwischenfunkt, hält es auch das aus. An den Stahlkanten scheuert die Schnur schnell, deshalb prüfe ich das Vorfach nach jedem größeren Fisch mit den Fingern und schneide bei der kleinsten Rauheit ab.

Alles andere passt in eine flache Tasche. Ein paar Jigköpfe, zwei, drei Tütchen Gummi, eine Zange, ein Maßband. Wer hier mit dem Karpfentrolley anrückt, hat das Prinzip nicht verstanden. Der Reiz liegt darin, dass ich in zwei Stunden schnell zwei Kilometer Kaimauer abklappern kann, immer in Bewegung, immer der nächsten Kante entgegen.

Kleine Gummis, richtig geführt

Am Kanal fische ich klein. Meine Standardgröße für Barsch liegt zwischen fünf und sieben Zentimetern, oft sogar darunter. Ein schlanker Shad in fünf Zentimetern auf einem Jigkopf von drei bis fünf Gramm ist mein Brot-und-Butter-Köder, und daneben laufen kleine Creature-Baits und schmale Wurmimitationen, die ich am Dropshot oder am leichten Jig anbiete. Bei den Farben halte ich es simpel. An trüben Tagen oder im Schatten der Wände nehme ich etwas Auffälliges mit Chartreuse oder Weiß, bei klarem Wasser und Sonne gehe ich auf natürliche Töne, Motoroil, Braun, ein leichtes Barschmuster.

Das Wichtigste ist die Führung an der Wand. Der klassische Fehler ist, zu weit rauszuwerfen. Die Fische stehen nicht in der Kanalmitte, sie stehen an der Kante, oft nur einen halben Meter von der Spundwand entfernt. Ich werfe deshalb flach und parallel zur Wand, lasse den Köder an der Stahlfläche absinken und zähle dabei mit. So merke ich mir, in welcher Tiefe der erste Kontakt kam. Dann führe ich langsam, mit kurzen Zupfern und langen Absinkphasen. Neunzig Prozent der Bisse kommen genau in dieser Absinkphase, dieses kurze Stoppen in der fallenden Schnur, das dich elektrisiert. Anschlag, und schon steht der Barsch wie ein kleiner Rugbyball quer im Wasser.

An senkrechten Spundwänden lohnt sich auch das reine Vertikalangeln von oben. Ich lasse den Gummi einfach direkt an der Wand abkippen, Zentimeter für Zentimeter, und tippe dabei die Rutenspitze an. Gerade bei größeren Barschen, die sich tief in den Schatten drücken, ist das oft die einzige Präsentation, die sie überzeugt.

Mobil bleiben, Schwärme suchen

Der größte Unterschied zwischen einem guten und einem mageren Kanaltag ist die Bereitschaft, weiterzuziehen. Barsche im Kanal stehen in Schwärmen, und diese Schwärme sind nicht überall. Ich gebe einer Stelle drei, vier Würfe. Kommt nichts, gehe ich zwanzig, dreißig Meter weiter zur nächsten Kante, zur nächsten Leiter, zum nächsten Poller. Wer sich an einer Stelle festbeißt, weil sie so schön aussieht, verschenkt den ganzen Vorteil des Streetfishings.

Wenn es dann irgendwo knallt, halte ich sofort an und arbeite den Bereich gründlich ab. Ein Biss bedeutet fast immer, dass mehr Fische da stehen. Ich habe schon an einer einzigen alten Verladekante eine Viertelstunde gestanden und Barsch um Barsch gefangen, während zweihundert Meter davor und dahinter kein einziger Zupfer kam. Genau darum geht es: die aktiven Fische finden, nicht die schönsten Spots angeln.

Die besten Kanten sind übrigens die unscheinbaren. Ein einzelner Poller, an dem das Wasser einen Tick anders wirbelt. Eine Leiter, unter der sich Muschelbewuchs abzeichnet. Eine Einmündung, wo ein Sielrohr etwas wärmeres Wasser einleitet. Solche Kleinigkeiten sammeln im Kanal die Beute, und dort stehen dann auch die Räuber.

Ein bisschen Ruhrgebiet gehört dazu

Streetfishing am Rhein-Herne-Kanal ist kein Postkartenangeln. Über dir rattert vielleicht eine Brücke, hinter dir läuft ein Radweg, und ab und zu schiebt sich ein Frachter durch, dessen Wellen die Kaimauer hochklatschen. Genau das mag ich daran. Du bist mitten in der Stadt und fängst trotzdem richtig gute Fische, oft direkt vor den Füßen der Leute, die nichts davon ahnen.

Ein paar Dinge solltest du im Kopf behalten. Achte auf deine Standsicherheit, gerade an nassen Betonkanten ohne Geländer, und halte Abstand von der Schifffahrt. Ein guter polarisierender Blick auf die Wasseroberfläche verrät dir oft mehr über einen Spot als jedes teure Gerät. Und pack deinen Müll wieder ein, auch fremden, wenn er neben dir liegt. Streetfishing hat einen Ruf zu verlieren, und wir sind es, die ihn prägen.

Mein Fazit

Der Rhein-Herne-Kanal ist ein perfektes Barschrevier für alle, die leicht und mobil unterwegs sein wollen. Halte dich an die Kanten, fische kleine Gummis um die fünf bis sieben Zentimeter auf leichten Jigköpfen, führe langsam und dicht an der Wand, und vor allem: bleib in Bewegung, bis du die Schwärme findest. Du brauchst kein Boot, kein Echolot und keine halbe Autoladung Gerät. Eine leichte Rute, eine Handvoll Köder und ein paar Kilometer Spundwand reichen für einen Tag, der dich überrascht. Schnapp dir deine mobile Ausrüstung und zieh los.

Tags
#barsch #streetfishing #kanal #gummifisch #ruhrgebiet
Tight Lines!
Powered by HookIQ PREDATOR