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Hecht im August: Wo die Grossen bei Hitze wirklich stehen

Im August ist der Hecht nicht weg, er hat sich nur verzogen. Wer die tiefen Krautkanten und die windangeblasenen Ufer liest, fängt gerade jetzt seine besten Fische. So gehe ich die Hitze an.

Hecht
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PredatorIQ Autor · Raubfisch-Experte
Hecht im August: Wo die Grossen bei Hitze wirklich stehen

Es gibt diese Tage im August, an denen das Wasser mittags fast lauwarm um die Beine steht und man schwören könnte, im ganzen See sei kein einziger Hecht mehr zu Hause. Genau da machen die meisten Angler den Fehler und schreiben den Hochsommer ab. Ich habe über die Jahre gelernt, dass der August einer der besten Monate für einen wirklich großen Hecht ist, wenn man weiß, wohin man schauen muss. Und dieser August hat es mir wieder eindrucksvoll bewiesen.

Warum die Hechte in der Hitze scheinbar verschwinden

Der August ist die Zeit der höchsten Wassertemperaturen des Jahres. Bei uns kletterten die Werte an den flachen Buchten tagsüber auf 23, an einem Nachmittag sogar auf 25 Grad. Für einen Hecht ist das eine Menge. Der Fisch ist ein Kaltwasserjäger, und je wärmer das Wasser wird, desto weniger Sauerstoff kann es überhaupt binden. Die dicken Rogner, die im Frühjahr noch im Flachen jagten, halten sich bei dieser Hitze schön bedeckt.

Das heißt aber nicht, dass sie nicht fressen. Sie fressen, nur eben dosiert und dann, wenn die Bedingungen für sie stimmen. Tagsüber in der prallen Mittagssonne hängen sie träge in den kühleren, sauerstoffreicheren Bereichen. Früh am Morgen und in der letzten Stunde vor der Dunkelheit aber drehen sie auf. Diesen August habe ich fast alle meine Fische in den ersten zwei Stunden nach Sonnenaufgang gefangen, ein paar wenige noch in der Abenddämmerung. Die Stunden dazwischen habe ich oft für eine Pause im Schatten genutzt, und das ganz bewusst.

Die kühlen Adern im warmen See finden

Der Schlüssel im Hochsommer heißt Sauerstoff und ein, zwei Grad kühleres Wasser. Wo ich beides finde, finde ich die Hechte. Drei Stellen habe ich diesen August immer wieder abgeklappert.

Da ist zuerst die tiefe Krautkante. Nicht das knietiefe Flachwasser wie im Frühjahr, sondern die Abbruchkante, an der das grüne Feld in zwei, drei oder vier Meter Wasser abfällt. Das Kraut produziert tagsüber Sauerstoff, und direkt an seiner Außenkante steht die Beute. Genau dort lauert im August auch der Hecht, halb im Schatten des Krauts, den Blick nach außen ins freie Wasser gerichtet.

Die zweite Stelle ist das windangeblasene Ufer. Viele suchen sich bei Wind die geschützte, glatte Seite, weil es sich dort bequemer angelt. Ich mache es umgekehrt. Der Wind drückt das oberflächlich erwärmte Wasser weg, schiebt kühleres, sauerstoffreiches Wasser an die Kante und treibt Plankton und mit ihm die Weißfische heran. An einem böigen Vormittag stand an einer solchen Uferkante ein regelrechter Pulk Hechte, und ich fing drei Fische aus derselben Ecke.

Und drittens sind da die Einläufe und die tieferen Rinnen. Jeder kleine Bach, jeder Zufluss bringt kühleres Wasser in den See. An heißen Tagen ist so ein Einlauf ein Magnet. Auch die tiefen Rinnen zwischen zwei Krautfeldern, in denen sich das Wasser um ein, zwei Grad hält, sind im August verlässliche Adressen.

Mein Köder im Hochsommer: groß und tief, morgens auch mal oben

Beim Köder bin ich im August zweigleisig gefahren. In der ersten Morgenstunde, wenn die Fische aktiv über den Krautfeldern jagen, ist ein Oberflächenköder ein Erlebnis für sich. Ein Prop-Bait oder ein großer Stickbait, den ich in Zickzack über das Kraut walke, holt den Hecht in einer Wasserfontäne aus dem Grün. Nichts im Hechtangeln ist so spektakulär wie ein Topwater-Biss im Morgengrauen. Wenn die Oberfläche explodiert und du das mit eigenen Augen siehst, dann bist du augenblicklich hellwach.

Sobald die Sonne höher steht und die Fische an die tiefere Kante rücken, wechsle ich auf den großen Gummifisch. Und im August darf er ruhig eine Nummer größer sein. Ich fische 17 bis 23 Zentimeter, weil ein satter Sommerhecht auf eine ordentliche Portion steht und sich für einen kleinen Happen kaum von der Kante bewegt. Das Kopfgewicht wähle ich so, dass der Köder an der Kante schön langsam absinkt, an den drei bis vier Meter tiefen Stellen sind das bei mir meist 20 bis 30 Gramm. Ich führe ihn in ruhigen, langgezogenen Sprüngen die Kante entlang und lasse ihn nach jedem zweiten, dritten Schlag bis knapp über das Kraut absinken. Die Bisse kommen fast immer in dieser Absinkphase.

Farblich halte ich es einfach. Bei dem oft noch recht klaren Sommerwasser fahre ich natürliche Dekore, ein Barschmuster oder ein silbriges Weißfischmuster passt genau zu dem, was die Hechte gerade fressen. An trüben oder wolkigen Morgen darf ruhig ein greller Weißfisch oder ein Feuertiger ans Vorfach, damit der Fisch den Köder schnell ausmacht.

Ein Wort zum Stahlvorfach, denn das ist beim Hecht keine Verhandlungssache. An das Ende der Schnur kommt immer ein solides Vorfach, bei mir ein 30er Titan- oder Stahlvorfach mit einem stabilen Snap. Wer im August mit bloßem Fluorocarbon auf Hecht rausgeht, verliert früher oder später einen kapitalen Fisch an einer durchtrennten Schnur, und das ist es nicht wert.

Fischschonung: im warmen Wasser zählt jede Sekunde

Ein Punkt, der mir im Hochsommer besonders am Herzen liegt, ist der Umgang mit dem gefangenen Fisch. Warmes Wasser hält wenig Sauerstoff, und ein Hecht, der einen langen Drill hinter sich hat, ist bei 23 Grad schneller am Limit als im kühlen Frühjahr. Deshalb drille ich im August bewusst zügig, statt den Fisch lange auszukämpfen. Der Kescher liegt griffbereit, die Zange auch, und der Fisch bleibt so weit es geht im Wasser oder über der nassen Abhakmatte.

Wenn ich ein Foto machen will, halte ich es kurz und habe alles vorher zurechtgelegt. Der Hecht ist dann in wenigen Sekunden wieder im Wasser. An besonders heißen Nachmittagen verzichte ich lieber ganz aufs Angeln und gehe früh oder spät ans Wasser, wenn es dem Fisch nach dem Zurücksetzen besser geht. Ein großer Sommerhecht ist ein wertvolles Tier, und der soll auch im nächsten Frühjahr noch ablaichen.

Mein Fazit

Der August verlangt dir als Hechtangler ein bisschen Umdenken ab, aber er belohnt es. Steh früh auf, such dir die tiefen Krautkanten, die windangeblasenen Ufer und die kühlen Einläufe und konzentrier dich auf die erste Morgenstunde und die Abenddämmerung. Fang oben mit einem Topwater über dem Kraut an und wechsle mit der Sonne auf einen großen Gummifisch an der tiefen Kante. Und behandle den Fisch bei der Hitze mit dem nötigen Respekt.

Das Zusammenspiel aus Wassertemperatur, Tageszeit und Wind im richtigen Moment zu erwischen ist im Hochsommer die halbe Miete, und ehrlich gesagt behalte ich das längst nicht mehr alles im Kopf. Ich lasse mir die guten Fenster inzwischen von der HookIQ-App zusammenführen und muss mir dann nur noch den Wecker stellen. Wenn dann im Morgengrauen an der Krautkante die Rute krumm geht, weißt du, warum sich das frühe Aufstehen im August lohnt.

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