Morgen ist es so weit. Die Schonzeit endet, die Jerkbaits liegen seit Wochen sortiert in der Box, und ich kann an nichts anderes denken als an diesen einen See. Den Laacher See. Diesen stillen, tiefen Vulkankrater mitten in der Eifel, der aussieht wie aus einer anderen Welt und Hechte beherbergt, die es in sich haben.
Ein See wie kein anderer
Wer den Laacher See zum ersten Mal sieht, versteht sofort, warum dieser Ort etwas Besonderes ist. Ein fast kreisrundes Gewässer, eingebettet in die bewaldeten Hänge eines erloschenen Vulkans. Kein Zufluss, kein Abfluss. Das Wasser ist klar, stellenweise über zehn Meter Sichttiefe, und an manchen Stellen blubbert es leise vom Grund herauf, wo vulkanische Gase austreten. Das klingt unwirklich, ist aber Realität. Der Laacher See ist geologisch betrachtet ein Maar, entstanden durch eine gewaltige Eruption vor rund 13.000 Jahren. Heute ist er mit seinen gut 3,3 Quadratkilometern und bis zu 53 Metern Tiefe einer der faszinierendsten Seen in Rheinland-Pfalz.
Für uns Hechtangler bedeutet das: ein Gewässer mit extremer Tiefenstruktur, steilen Abbruchkanten und Flachwasserzonen, die im Frühjahr als erste warm werden. Genau dort, in den Buchten mit zwei bis vier Metern Wassertiefe, stehen die Hechte jetzt. Sie haben die Laichzeit hinter sich, sind hungrig und aggressiv. Und genau das ist der Moment, in dem ein Jerkbait seine volle Wirkung entfaltet.
Warum Jerkbait am Vulkansee?
Ich höre die Frage schon: Warum nicht Gummifisch? Warum nicht Spinner? Die Antwort ist einfach. Am Laacher See, mit seinem klaren Wasser und den flachen Uferzonen im Frühjahr, brauchst du einen Köder, der Aufmerksamkeit erzeugt, ohne zu schnell zu sein. Ein Jerkbait gleitet, stoppt, dreht sich leicht zur Seite und steht dann einen Moment lang reglos im Wasser. Für einen post-spawn Hecht, der nicht mehr jagen will als nötig, ist das unwiderstehlich.
In den vergangenen Jahren habe ich am Laacher See immer wieder die gleiche Erfahrung gemacht. Die Gummifisch-Fraktion fängt solide, keine Frage. Aber die wirklich guten Fische, die 80er und 90er, die kamen auf Jerkbaits. Meistens in den ersten zwei Wochen nach der Schonzeit, wenn das Wasser noch unter 12 Grad liegt und die Hechte sich langsam aus den Laichgebieten zurückziehen.
Mein Setup für den Laacher See
Über die Jahre hat sich ein Setup herauskristallisiert, das am Vulkansee einfach funktioniert. Ich fische eine kurze, straffe Rute um 1,80 Meter mit einem Wurfgewicht bis 80 Gramm. Am Laacher See wirfst du selten weit, dafür brauchst du Präzision. Die Hechte stehen oft dicht am Ufer, zwischen versunkenen Ästen und an den Kanten, wo das flache Wasser in die Tiefe abfällt. Da muss der Jerkbait punktgenau landen.
Auf der Rolle liegt eine geflochtene 0,19er, dazu ein Titan-Vorfach von 30 Zentimetern. Kein Fluorocarbon, auch wenn das Wasser klar ist. Wer am Laacher See auf Fluorocarbon setzt und dann einen 90er Hecht im Holz hat, dem fehlt die Sicherheitsreserve. Das Titan gibt mir die Kontrolle, die ich brauche, wenn es drauf ankommt.
Bei den Jerkbaits selbst setze ich auf zwei Typen. Für die flachen Uferzonen einen Glider um 12 Zentimeter, der knapp unter der Oberfläche arbeitet. Langsam sinkend, mit weiten Ausschlägen nach links und rechts. Farblich halte ich es natürlich: Barschdekor oder ein dezentes Weißfischmuster. In dem klaren Wasser des Laacher Sees sind grelle Farben eher kontraproduktiv.
Für die tieferen Kanten, ab drei bis vier Metern, wechsle ich auf einen Dive and Rise Jerkbait um 15 Zentimeter. Der taucht auf zwei bis drei Meter ab und steigt in der Pause langsam auf. Genau diese Aufstiegsphase ist der Moment, in dem die Bisse kommen. Der Hecht sieht den Köder abtauchen, verfolgt ihn, und wenn der Jerkbait dann plötzlich stehen bleibt und langsam nach oben schwebt, schlägt er zu.
Die Köderführung macht den Unterschied
Am Laacher See gilt eine Regel, die ich in über dreißig Jahren Hechtangeln immer wieder bestätigt gefunden habe: Weniger ist mehr. Gerade im Frühjahr, wenn das Wasser noch kalt ist und die Hechte gerade aus der Schonzeit kommen, funktionieren aggressive Jerkbewegungen nicht. Stattdessen setze ich auf sanfte, kurze Schläge mit der Rutenspitze, gefolgt von langen Pausen. Drei Sekunden, manchmal fünf. Dann ein kurzer Zuck, und wieder warten.
Das erfordert Geduld und Vertrauen in den Köder. Die Versuchung ist groß, ständig zu animieren, den Jerkbait durchs Wasser zu reißen. Aber am Vulkansee habe ich gelernt, dass die Pause fängt. In der Pause dreht sich der Jerkbait minimal, das Licht bricht anders auf den Flanken, und der Hecht, der seit zehn Sekunden einen Meter dahinter steht und zuschaut, kann nicht mehr widerstehen.
Ich erinnere mich an einen Mai vor zwei Jahren. Die Schonzeit war gerade ein paar Tage vorbei, es war früher Morgen, Nebel lag über dem See, und ich stand in einer kleinen Bucht an der Westseite. Der Glider landete vielleicht fünf Meter vom Ufer entfernt, direkt neben einem versunkenen Ast. Zwei kurze Schläge, dann Pause. Nichts. Nochmal zwei Schläge, Pause. Und dann dieses Gefühl, das jeder Hechtangler kennt: Die Schnur wird plötzlich schwer, die Rutenspitze zieht nach unten, und im nächsten Moment explodiert die Wasseroberfläche. Ein Hecht von 87 Zentimetern, breit wie ein Unterarm, mit einem Maul das den halben Jerkbait verschluckt hatte. Dieser Fisch hat mich zehn Minuten beschäftigt, weil er sofort ins Holz wollte. Das Titan-Vorfach hat seinen Job gemacht.
Die besten Spots am Laacher See
Am Laacher See gibt es einige Bereiche, die im Frühjahr besonders produktiv sind. Die flachen Buchten an der West- und Südwestseite erwärmen sich zuerst und ziehen Weißfische an, die wiederum die Hechte anlocken. Wo du morgens bei Sonnenaufgang Kleinfisch an der Oberfläche siehst, da stehen auch die Esoxe.
Die steilen Abbruchkanten im Norden sind eher etwas für den späteren Frühling, wenn die Hechte in tieferes Wasser abwandern. Dort arbeite ich dann mit dem Dive and Rise Jerkbait und lasse ihn an der Kante entlang gleiten, immer parallel zur Tiefenlinie.
Ein Tipp, den ich am Laacher See gelernt habe: Achte auf die Gasblasen. An manchen Stellen steigen kleine Blasen vom Vulkanboden auf. Diese Bereiche meiden die Fische in der Regel. Spar dir dort die Würfe und konzentriere dich auf die ruhigen Abschnitte dazwischen.
Was ich mir für diese Saison vorgenommen habe
Die Jerkbaits sind sortiert, das Vorfachmaterial ist frisch, und der Angelschein für den Laacher See liegt bereit. In den kommenden Wochen werde ich systematisch die Flachwasserzonen abarbeiten, früh morgens, wenn der Nebel noch über dem Krater liegt und die Wasseroberfläche wie Glas ist. Das sind die Momente, für die ich lebe.
Der Laacher See ist kein einfaches Gewässer. Das klare Wasser verzeiht keine Fehler bei der Köderführung, und die Hechte hier sind durch den Angeldruck vorsichtiger als an vielen anderen Seen. Aber genau das macht den Reiz aus. Wenn am Vulkansee ein Hecht auf den Jerkbait einsteigt, dann hast du ihn dir verdient.
Mein Fazit
Der Laacher See in der Eifel ist für mich einer der spannendsten Hechtgewässer in Rheinland-Pfalz. Die Kombination aus klarem Wasser, extremer Tiefenstruktur und vorsichtigen Fischen verlangt nach einer präzisen Technik, und Jerkbait liefert genau das. Wer in den kommenden Wochen seine Rute packt und den Vulkansee besucht, sollte einen Glider und einen Dive and Rise Jerkbait in der Box haben, langsam führen und den Pausen vertrauen. Der See belohnt Geduld.