Zuerst das Wichtigste, bevor wir überhaupt anfangen: prüfe die Schonzeit für dein Gewässer, bevor du losziehst. In vielen deutschen Bundesländern läuft die Hechtschonzeit noch bis Ende April oder sogar bis Mitte Mai. In den Niederlanden darfst du meist ganzjährig, in Schleswig-Holstein öffnet es in vielen Revieren schon Anfang Mai, in Bayern erst später. Ein Blick in die Verordnung ist keine Pflichtübung, sondern eine Frage des Anstands gegenüber den Beständen und gegenüber allen anderen Anglern.
Wenn du in einem Revier fischst, in dem du im April legal auf Hecht angeln darfst, dann möchte ich dir in diesem Artikel zeigen, was in dieser Phase unter der Wasseroberfläche passiert und wo du die großen Weibchen jetzt findest. Denn ein Hecht, der gerade erst abgelaicht hat, ist ein fundamental anderer Fisch als der, den du im Herbst oder Winter gejagt hast. Er bewegt sich anders, er frisst anders, und er steht an komplett anderen Stellen.
Was nach dem Ablaichen wirklich passiert
Der Hecht laicht bei uns in Mitteleuropa meist zwischen Ende Februar und Anfang April, je nach Wassertemperatur und Region. Das Weibchen legt dabei eine enorme Menge Eier ab, oft deutlich mehr als zehn Prozent seines Körpergewichts. Nach diesem Kraftakt ist der Fisch erschöpft. Die Flanken sind eingefallen, die Bauchpartie schlaff, die Energiereserven am Ende. Gleichzeitig hat er über Wochen kaum gefressen, weil die Laichaktivität alle anderen Funktionen überlagert hat.
Das Ergebnis ist eine ausgelaugte, geschwächte Großhechtdame, die jetzt dringend Nahrung und Ruhe braucht, um sich zu regenerieren. Sie ist zwar hungrig, aber sie ist keine aggressive Jägerin mehr. Sie wird nicht fünfzig Meter durch den See schießen, um einen hart geführten Gummifisch zu packen. Sie wartet. Sie nimmt das, was vor ihr vorbeikommt, und sie wählt es mit Bedacht. Genau dieses Verhalten musst du verstehen, wenn du sie im April überlisten willst.
Wo sie sich erholt
An diesem Punkt machen die meisten Angler den Fehler. Sie suchen im April an denselben Stellen wie im Herbst, an den tiefen Kanten, an den Strömungskanten im Fluss, an den Krautfeldern in fünf Metern Tiefe. Dort findest du jetzt aber höchstens kleinere Männchen. Die großen Weibchen sind woanders.
Sie ziehen in die flachen, windgeschützten Buchten. Dort, wo die Sonne das Wasser innerhalb weniger Stunden auf zwölf oder vierzehn Grad erwärmt. Dort, wo sich kleine Weißfische sammeln, weil auch sie die Wärme suchen. Dort, wo das Wasser oft nur einen bis anderthalb Meter tief ist. Ich habe Großhechte im April in Bereichen gefangen, in denen ich im Sommer nicht einmal mehr den Köder auswerfen würde, weil sie mir als zu flach erschienen.
Das zweite Merkmal solcher Stellen ist Struktur. Ein paar gefallene Äste, ein überhängender Weidenstrauch, ein halb abgesunkener Steg, ein Schilfgürtel mit kleinen Löchern. Der erschöpfte Hecht nutzt diese Strukturen als Rückzug und als Versteck. Er liegt oft direkt darunter, nur einen Körper lang von der Struktur entfernt, und wartet auf eine einfache Mahlzeit.
Wie du ihn reizt
Die Köderwahl ist im April kontraintuitiv. Dein Bauchgefühl sagt dir vielleicht: großer Fisch, großer Köder. Aber die ausgelaugte Hechtdame will keine dreißig Zentimeter Swimbait, die mit fünf Knoten an ihr vorbeirauscht. Sie will einen Happen, den sie mit minimalem Aufwand fangen kann.
Ich fische im April am liebsten mit einem zwölf bis fünfzehn Zentimeter Shad in natürlichen Farben, weiß, schockblau oder einem hellen Motoroil, auf einem leichten Jigkopf von sieben bis zehn Gramm. Die Führung ist betont langsam. Ich werfe den Köder parallel zur Struktur, lasse ihn bis zum Grund absinken, dann ein einziges, kurzes Zupfen, drei Sekunden Pause, wieder ein Zupfen. Oft passiert der Biss in der Pause oder direkt nach dem ersten Anheben. Er ist nicht hart, nicht brutal. Er fühlt sich an, als hätte jemand den Köder festgehalten. Dann musst du schnell reagieren, sonst ist der Fisch wieder weg.
Eine Alternative, die im Frühjahr ebenfalls brutal funktionieren kann, ist ein kleiner, langsam eingekurbelter Wobbler mit weichem Lauf. Jerks und Walker lass im April zu Hause. Sie bringen jetzt einfach nichts.
Warum Catch & Release jetzt nicht verhandelbar ist
Das möchte ich dir besonders ans Herz legen, weil es wichtig ist und weil es in vielen Köpfen noch nicht angekommen ist. Ein Hecht, der gerade erst gelaicht hat, ist bereits am Limit. Wenn du ihn hart drillst, lange fotografierst, minutenlang aus dem Wasser hältst oder ihn gar mitnimmst, ist die Überlebenschance deutlich geringer als im Herbst. Ein Weibchen, das den Drill noch verkraftet, aber danach einen zweiten Schock beim Handling bekommt, stirbt oft in den folgenden Tagen unbeobachtet irgendwo im See.
Wenn du im April auf Hecht gehst, mach Catch & Release zur Grundregel. Drill kurz, Landung im Kescher, Haken mit Zange raus, ein schnelles Foto im Wasser oder knapp über der Oberfläche, dann sofort zurück. Zeit über dem Wasser maximal zehn Sekunden. Ich weiß, das klingt streng. Aber es ist die einzige Möglichkeit, wie wir die großen Damen gesund durch den Frühling bringen. Und jeder Angler, der einen Sechzig-Zentimeter-Hecht jetzt schont, sorgt dafür, dass in zwei Jahren vielleicht ein Neunzig-Zentimeter-Fisch an derselben Stelle steht.
Mein Fazit
Der Hecht im April ist eine Sondersituation, die ganz eigene Regeln hat. Prüfe deine Schonzeiten, such die flachen, sonnenbeschienenen Buchten, fisch betont langsam mit mittleren Shads in natürlichen Farben und behandle jeden gelandeten Fisch wie ein rohes Ei. Dann erwartet dich eine der spannendsten Jagdzeiten des Jahres, in der jeder Anhieb ein potenzieller Großfisch ist und in der du auf wenigen Quadratmetern Wasser mehr lernst als in einem ganzen Herbst.
Mein persönlicher Tipp: such dir zwei, drei solcher Buchten an deinem Hausgewässer aus, die du den ganzen Sommer kennst, und schau sie im April bei Sonne gezielt ab. Du wirst überrascht sein, wie anders sich dasselbe Gewässer jetzt verhält.