Ich fahre eine Bucht an, die ich noch nie beangelt habe, und werfe trotzdem nicht sofort. Stattdessen tuckere ich erst einmal quer durch, den Blick auf den Bildschirm gerichtet, nicht aufs Wasser. Links und rechts vom Boot zieht ein graustufiges Bild vorbei, und mittendrin taucht plötzlich ein heller Fleck mit langem, scharfem Schatten auf. Ein Baumstamm, vielleicht drei Meter lang, quer im Sediment liegend. Diesen einen Wurf werde ich später nicht verschenken, weil ich genau weiß, wo er hinmuss. Genau das ist der Unterschied, den Side Imaging in mein Angeln gebracht hat. Ich suche nicht mehr blind, ich sehe, wonach ich suche, bevor ich überhaupt den ersten Köder ins Wasser werfe.
Der Geber entscheidet über alles Weitere
Bevor ein einziges brauchbares Bild auf dem Schirm erscheint, muss der Geber sauber sitzen. Ich montiere ihn so, dass er knapp unter der Wasserlinie steht und dabei komplett aus der Luftblasenzone des Motors heraus bleibt. Sitzt er zu nah am Propeller oder in der Wirbelschleppe des Rumpfes, bekommst du bei jeder Fahrt ein verrauschtes Bild voller weißer Störpunkte, und genau die feinen Details, um die es beim Side Imaging geht, gehen darin unter. An meinem Boot habe ich den Geber am Heck außermittig gesetzt, ein Stück abseits vom Antrieb, und seitdem bleibt das Bild auch bei etwas höherem Tempo sauber.
Bei der Frequenz gehe ich für Side Imaging bewusst hoch. Die meisten Systeme bieten hier Werte um 800 oder 455 Kilohertz an, und ich fische fast immer mit der höheren Frequenz, weil sie deutlich feinere Details zeichnet. Einzelne Äste an einem Baumstamm, die Struktur einer Steinschüttung, sogar einzelne größere Fische heben sich dann klar vom Untergrund ab. Der Kompromiss ist eine etwas geringere Reichweite, aber für die Hotspot-Suche ist mir Schärfe wichtiger als die letzten Meter Sichtweite.
Die Reichweite selbst stelle ich in zwei Schritten ein. Für die erste grobe Erkundung einer neuen Bucht oder eines unbekannten Seeabschnitts fahre ich mit vierzig bis fünfzig Metern pro Seite, um in kurzer Zeit möglichst viel Fläche abzudecken. Sobald ich eine interessante Kontur entdecke, reduziere ich auf zwanzig bis fünfundzwanzig Meter und fahre die Stelle noch einmal ab. Das Bild wird dadurch deutlich schärfer, und ich erkenne erst jetzt, ob aus dem vagen hellen Fleck tatsächlich ein Baum, ein Steinhaufen oder nur eine Sedimentwelle geworden ist.
Genauso wichtig wie die Technik ist das Tempo. Ich halte mich bei der Side-Imaging-Suche an drei bis sechs Kilometer pro Stunde über Grund, abgelesen an der GPS-Geschwindigkeit und nicht am Gefühl. Fährst du schneller, werden Objekte gestaucht und verzerrt dargestellt, feine Strukturen verschwimmen. Fährst du deutlich langsamer, ziehst du das Bild unnötig in die Länge und verlierst Zeit, die du besser in mehr abgesuchte Fläche investierst. Für die Suchfahrten selbst fahre ich möglichst gerade Bahnen im Abstand der doppelten Reichweite, so dass sich die erfassten Streifen leicht überlappen und ich nichts dazwischen übersehe.
Schatten lesen und Strukturen richtig deuten
Das Side-Imaging-Bild besteht im Grunde aus zwei Informationen, der Helligkeit der Rückstreuung und dem Schatten, den ein Objekt wirft. Diesen Schatten zu lesen, ist der eigentliche Schlüssel. Ein flacher, heller Fleck ohne nennenswerten Schatten ist meistens nur eine Unebenheit im Grund. Ein Objekt mit einem langen, klar abgegrenzten Schatten dahinter steht dagegen deutlich vom Untergrund ab, und genau die Länge dieses Schattens verrät dir seine ungefähre Höhe. Ein Baum, der einen Schatten von zwei Metern wirft, ragt entsprechend hoch ins Wasser, und das ist für Zander und Hecht oft attraktiver als ein flach im Sediment liegender Stamm.
Beim Untergrund selbst achte ich auf die Helligkeit der Fläche. Harter Grund, also Kies, Fels oder verdichteter Sand, reflektiert den Schall stark und erscheint hell bis fast weiß. Weicher Schlamm oder Faulschlamm schluckt den Schall dagegen und bleibt dunkel bis grau. Genau an den Übergängen zwischen diesen beiden Zonen stehen erstaunlich oft Zander, weil dort meist auch die Nahrung konzentriert ist und sich Kanten oder kleine Abbrüche bilden. Diese Übergänge findest du auf dem Side Image oft klarer als mit jedem klassischen Echolotbild von unten, weil du die Fläche und nicht nur einen schmalen Streifen unter dem Boot siehst.
Einzelne Fische unterscheiden sich von Holz oder Stein durch ihre Form und die Konsistenz des Rückstreuwertes. Ein Fisch zeigt sich meist als längliches, relativ gleichmäßiges Oval mit einem eigenen, oft etwas verwaschenen kleinen Schatten. Ast oder Geäst dagegen wirkt kantiger und unregelmäßiger, und ein Steinhaufen bricht in viele kleine, dicht beieinanderliegende helle Punkte auf. Am Anfang habe ich Krautfelder gerne mit Fischschwärmen verwechselt, weil beide diffus und wolkenartig erscheinen. Der Unterschied liegt in der Bewegung über mehrere Durchfahrten. Kraut bleibt an derselben Stelle, ein Schwarm Weißfisch verändert Position und Form von Fahrt zu Fahrt, und genau das übe ich mir bei jeder neuen Session aufs Neue ein, weil erst die Erfahrung aus vielen Bildern das sichere Auge dafür gibt.
Wegpunkte setzen, bevor der Moment vorbei ist
Der größte Anfängerfehler beim Side Imaging ist, eine interessante Stelle zu sehen und zu denken, man findet sie später schon wieder. Das funktioniert nicht. Ich setze den Wegpunkt in dem Moment, in dem das Objekt auf dem Bildschirm erscheint, nicht erst, wenn das Boot direkt darüber steht. Die meisten Geräte bieten dafür eine Funktion, die den Punkt automatisch etwas versetzt zur Bootsposition markiert, passend zu Sendewinkel und Distanz. Wer diese Funktion nicht hat, rechnet den Versatz im Kopf grob mit, lieber ungefähr richtig markiert als komplett verpasst.
Damit aus einer Ansammlung von Punkten auf der Karte irgendwann ein echtes System wird, arbeite ich mit Kategorien. Baumstrukturen bekommen bei mir ein anderes Symbol als Steinschüttungen, und Kanten oder Grundabbrüche wieder ein eigenes. So sehe ich auf einen Blick, was für ein Spottyp mich an einer Stelle erwartet, ohne mich erst erinnern zu müssen, was ich vor drei Monaten dort gesehen habe. Über eine Saison hinweg entsteht so aus einem einzelnen Ausflug eine richtige Gewässerkarte, die deutlich mehr zeigt als das, was auf der offiziellen Tiefenkarte verzeichnet ist.
Genauso wichtig wie das Markieren ist die Pflege dieser Hotspots danach. Ein Wegpunkt, der gut aussieht, ist noch lange kein Fangplatz. Ich trage bei jedem markierten Punkt kurz nach, ob ich dort tatsächlich Kontakt hatte oder nicht, und nach einigen Sessions trennt sich so die Spreu vom Weizen. Stellen, die dreimal in Folge nichts gebracht haben, verlieren bei mir Priorität, auch wenn sie auf dem Echolot spektakulär aussehen. Und die Stellen, die zuverlässig liefern, befische ich bewusst nicht jedes Mal, sondern lasse sie zwischendurch ein oder zwei Wochen ruhen. Gerade an kleineren Gewässern merke ich deutlich, wie schnell ein Hotspot durch ständigen Druck an Ergiebigkeit verliert, während er sich nach einer Pause wieder erholt.
Das Wichtigste zusammengefasst
Side Imaging lohnt sich erst dann richtig, wenn Geber, Frequenz und Fahrgeschwindigkeit sauber aufeinander abgestimmt sind, denn ein verrauschtes Bild bringt dir gar nichts. Lerne die Schatten zu lesen, denn sie verraten dir mehr über die Höhe und Attraktivität einer Struktur als die reine Helligkeit auf dem Schirm. Und setze jeden interessanten Wegpunkt sofort, sortiere ihn nach Typ und überprüfe später ehrlich, welche Punkte wirklich Fisch bringen. Wer diese drei Dinge konsequent macht, verwandelt ein unbekanntes Gewässer innerhalb weniger Ausfahrten in eine Karte voller verlässlicher Anlaufstellen.