Es ist kurz nach Mitternacht, die Luft steht, und über dem Fluss hängt dieser schwere Sommergeruch aus warmem Wasser und feuchtem Schilf. Die Rutenspitzen stehen reglos im Knicklichtschein. Dann, ohne Vorwarnung, ruckt die linke Rute einmal kurz nach vorn, die Schnur strafft sich, und der Freilauf beginnt zu singen. In solchen Momenten weißt du, warum du hier sitzt und nicht im Bett liegst.
Warum gerade die Abspannmontage?
Wer Welse gezielt vom Ufer befischen will, steht vor einem grundsätzlichen Problem: Die besten Stellen, die tiefen Rinnen und Löcher mit den ausgewaschenen Kanten, liegen oft mitten im Fluss. Mit einer normalen Grundmontage erreichst du sie entweder gar nicht, oder der Köderfisch wird von der Strömung verdriftet und landet irgendwo, wo kein Wels steht. Genau hier spielt die Abspannmontage ihre Stärke aus. Du fixierst die Schnur an einem Punkt auf der gegenüberliegenden Uferseite oder an einem Hindernis im Wasser und kannst so deinen Köderfisch zentimetergenau über dem tiefen Loch positionieren. Nicht irgendwo, sondern genau dort, wo du ihn haben willst.
Ich fische diese Methode seit gut fünfzehn Jahren an verschiedenen Flüssen, vom Rhein über die Elbe bis zur Donau. Was mich immer wieder beeindruckt: Die Abspannmontage fängt nicht einfach nur, sie fängt gezielt die guten Fische. Weil du den Köder dort präsentierst, wo die Welse tatsächlich stehen, und nicht dort, wo es die Strömung gerade zulässt.
Die Montage im Detail
Das Prinzip ist simpel, die Umsetzung verlangt aber Sorgfalt. Du brauchst eine stabile Hauptschnur, ich verwende geflochtene Schnur mit mindestens 0,40mm Durchmesser und einer Tragkraft von 40 Kilogramm. Auf der Hauptschnur sitzt ein Laufblei von 100 bis 200 Gramm, je nach Strömung. Darunter ein Wirbel mit Karabiner, und daran das Vorfach. Für das Vorfach nehme ich Kevlar oder dickes Mono in 1,0 bis 1,2mm, etwa 80 bis 100 Zentimeter lang. Am Ende sitzt ein Einzelhaken der Größe 6/0 bis 8/0, je nach Köderfischgröße.
Das Entscheidende ist die Abspannung selbst. Du führst deine Hauptschnur über den Fluss und befestigst sie am gegenüberliegenden Ufer an einem Baum, einem Pflock oder einem anderen festen Punkt. Die Schnur wird so gespannt, dass sie in einem leichten Bogen über dem Wasser steht. Dein Köderfisch hängt dann an der gewünschten Stelle frei im Wasser, in der Tiefe, die du über die Länge deines Vorfachs und die Position des Bleies bestimmst.
Wenn du keinen Zugang zur anderen Uferseite hast, funktioniert die Methode auch mit einem schweren Stein oder einem Ankerblei, das du ans gegenüberliegende Ufer wirfst oder mit dem Boot ausbringst. Die Schnur wird dann am Stein fixiert, der Rest bleibt gleich.
Das richtige Loch finden
Nicht jeder tiefe Bereich im Fluss ist automatisch ein guter Welsplatz. Was du suchst, sind tiefe Löcher mit Struktur: ausgewaschene Rinnen hinter Brückenpfeilern, tiefe Löcher an Buhnenköpfen, Einmündungen von Altarmen oder Bereiche, in denen die Strömung auf ein Hindernis trifft und dahinter eine Kehrwasserzone entsteht. An solchen Stellen sammeln sich Kleinfische, und wo sich Kleinfische sammeln, ist der Wels nicht weit.
Im Sommer, wenn die Wassertemperaturen über 20 Grad liegen, sind die Welse nachts extrem aktiv. Tagsüber liegen sie oft am Grund der tiefsten Löcher und bewegen sich kaum. Sobald es dunkel wird, ziehen sie los und patrouillieren ihre Routen. Ein Köderfisch, der direkt über einem solchen Taglager hängt, wird oft schon in den ersten beiden Stunden nach Einbruch der Dunkelheit genommen.
Ich suche meine Plätze am liebsten tagsüber ab, wenn möglich mit einem Echolot vom Boot aus. Wer kein Boot hat, kann die Tiefenstruktur auch durch systematisches Loten mit einem schweren Blei erkunden. Jedes Loch, das mehr als drei Meter tiefer ist als die umgebende Flusssohle, ist einen Versuch wert.
Der richtige Köderfisch
Beim Welsangeln mit Köderfisch gilt eine einfache Regel: lieber zu groß als zu klein. Ein Wels von anderthalb Metern verschlingt problemlos einen Köderfisch von 300 bis 500 Gramm. Meine bevorzugten Köderfische sind Brassen und Döbel in einer Größe von 20 bis 30 Zentimetern. Sie sind robust, halten an der Montage lange durch und senden durch ihre Schwimmbewegungen starke Druckwellen aus, die der Wels über sein Seitenlinienorgan wahrnimmt.
Gründlinge und Rotaugen funktionieren ebenfalls, sind mir aber oft zu klein und zu zart für die kräftige Strömung. Wenn du Aale als Köderfisch verwenden darfst, sind sie eine hervorragende Wahl, weil sie unglaublich zäh sind und stundenlang vital bleiben. Prüfe aber unbedingt die lokalen Vorschriften, denn an vielen Gewässern ist der Einsatz von Aalen als Köder verboten.
Den Köderfisch hakst du durch den Rücken, knapp hinter der Rückenflosse, sodass er sich frei bewegen kann, aber sicher am Haken sitzt. Zu weit vorn gehakt, dreht er sich im Kreis. Zu weit hinten, und er kann sich nicht richtig bewegen. Der Haken sollte so sitzen, dass die Spitze gut einen Zentimeter aus dem Rücken herausschaut. Das klingt brutal, aber nur so hast du bei einem Biss die Anschlagsicherheit, die du bei einem Wels brauchst.
Die Nacht planen
Ein Welsansitz ist kein spontaner Sonntagsausflug. Du brauchst Vorbereitung, Geduld und die Bereitschaft, eine ganze Nacht am Wasser zu verbringen. Ich baue mein Lager immer noch bei Tageslicht auf, positioniere die Ruten, spanne die Montagen aus und bringe die Köderfische an. So habe ich nach Einbruch der Dunkelheit nichts mehr zu tun außer zu warten.
Die beste Zeit für Welse an der Abspannmontage beginnt eine Stunde nach Sonnenuntergang und geht bis etwa drei Uhr morgens. In den wirklich heißen Julinächten, wenn die Wassertemperatur auch nachts nicht unter 22 Grad sinkt, können die Bisse aber auch deutlich später kommen. Ich habe einige meiner besten Fische erst in der Morgendämmerung gefangen, wenn die ersten Vögel anfangen zu singen und der Himmel gerade so anfängt, hell zu werden.
Nimm dir warme Kleidung mit, auch im Sommer. Am Wasser kühlt es gegen drei, vier Uhr morgens empfindlich ab, und wer durchgefroren ist, macht Fehler. Eine Thermoskanne mit Kaffee, eine ordentliche Sitzgelegenheit und eine Stirnlampe mit Rotlicht gehören ebenfalls zur Grundausstattung. Das Rotlicht deshalb, weil weißes Licht die Nachtsicht ruiniert und außerdem Insekten anzieht, was dir in einer Julinacht am Fluss den letzten Nerv rauben kann.
Bissanzeige: Mehr als nur ein Knicklicht
Die Bissanzeige beim Welsansitz ist ein Thema, bei dem ich viele Angler erstaunlich nachlässig erlebe. Ein Knicklicht an der Rutenspitze reicht, um einen Biss zu sehen, aber es reicht nicht, um ihn zu hören. Und genau das ist entscheidend, wenn du zwei oder drei Ruten fischst und zwischendurch mal die Augen zumachst.
Ich setze auf eine Kombination aus elektronischem Bissanzeiger und Freilaufrolle. Der Bissanzeiger sitzt an der Rute und registriert jeden Schnurabzug. Der Freilauf der Rolle ist so eingestellt, dass ein beißender Wels Schnur nehmen kann, ohne die Rute mitzureißen. Das ist bei der Abspannmontage besonders wichtig, weil die Schnur unter Spannung steht und ein Wels, der den Köderfisch nimmt, zunächst gegen den Widerstand der gespannten Schnur arbeitet.
Viele Welse nehmen den Köderfisch nicht mit einem explosiven Biss, sondern eher langsam. Die Schnur wird erst leicht angetippt, dann zieht sie gleichmäßig ab. Das kann Sekunden dauern, manchmal auch eine halbe Minute. Ein guter Bissanzeiger meldet diesen Schnurabzug sofort, und du hast Zeit, zur Rute zu gehen, den Bügel zu schließen und den Anschlag zu setzen.
Als zusätzliche Sicherung hänge ich an die Schnur zwischen Rolle und erstem Rutenring einen Einhänger mit einem kleinen Bleigewicht, etwa 20 Gramm. Wenn der Wels Schnur nimmt, fällt dieses Gewicht herunter, und das Klacken auf dem Bissanzeiger ist auch dann nicht zu überhören, wenn du gerade im Halbschlaf liegst. Bei drei Ruten und einer langen Nacht sind solche Details der Unterschied zwischen einem verwerteten Biss und einem, der sich von selbst erledigt hat.
Der Anschlag und der Drill
Wenn der Bissanzeiger loslegt und die Schnur kontinuierlich abgezogen wird, lass den Wels erst ein paar Meter nehmen. Er muss den Köderfisch vollständig aufnehmen, bevor du anschlägst. Ein zu früher Anschlag endet meistens damit, dass der Haken nur im Köderfisch sitzt und der Wels sich verabschiedet. Ich zähle meistens langsam bis zehn, schließe dann den Bügel und setze mit einem kräftigen Anhieb den Haken.
Der Drill eines großen Welses ist eine Klasse für sich. Diese Fische kämpfen mit roher Kraft und Ausdauer, nicht mit Sprüngen oder Sprints wie ein Hecht. Es fühlt sich an, als hättest du einen nassen Sandsack am anderen Ende, der langsam aber unaufhörlich in die Tiefe zieht. Gib ihm Schnur, wenn er zieht, und hol Meter um Meter zurück, wenn er pausiert. Mit einer ordentlichen Rute, 200 bis 300 Gramm Wurfgewicht, und einer stabilen Stationärrolle in der 5000er oder 6000er Klasse hast du das nötige Werkzeug, um auch einen Fisch jenseits der Metermarke sicher zu landen.
Ein Kescher mit mindestens einem Meter Bügelbreite oder, noch besser, eine Abhakmatte direkt am Ufer gehören zur Pflichtausstattung. Welse sind empfindlicher, als viele denken. Ein schonendes Handling, nasse Hände, keine Ablage auf trockenem Boden, und eine schnelle Rückgabe ins Wasser sind selbstverständlich.
Mein Fazit
Die Abspannmontage ist für mich die effektivste Methode, um Welse gezielt vom Ufer aus zu befischen. Sie verlangt mehr Vorbereitung als eine einfache Grundmontage, aber sie belohnt den Aufwand mit einer Präzision, die sonst nur vom Boot aus möglich ist. Such dir ein tiefes Loch mit Struktur, häng einen kräftigen Köderfisch auf die richtige Tiefe, vertrau deiner Bissanzeige und hab Geduld. Die Nacht gehört dem Wels, und wenn alles passt, gehört der Wels dir.