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Albacore vor Madeira im Frühjahr: Die unterschätzte Vorsaison

Während sich die Big-Game-Welt auf den Bluefin im Sommer konzentriert, öffnet sich im April vor Madeira ein Fenster, das nur wenige Angler wirklich nutzen. Warum du für die Albacore-Vorsaison jetzt buchen solltest.

Albacore
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TunaIQ Autor · Big-Game-Experte

Madeira hat in der Big-Game-Szene einen klaren Ruf: Blue Marlin im Hochsommer, Bigeye Tuna ab Juni, die großen Bluefin-Trophäen im Juli und August. Wenn du im Mai die Marinas von Calheta oder Funchal ansteuerst, triffst du dort eine ganze Flotte von Sportbooten, die sich auf diese Saison vorbereitet, und die Plätze an den besten Chartern sind oft ein Jahr im Voraus ausgebucht. Was kaum jemand erzählt, ist, dass es zwei, drei Monate davor ein ganz anderes, viel ruhigeres Fenster gibt, das zu den besten Albacore-Zeiten des Jahres im gesamten Ostatlantik gehört.

Ich rede vom Frühjahr, konkret vom März, April und frühen Mai, wenn die weißen Thune, die Albacore, in großen Zahlen entlang der Unterwasserbergrücken vor Madeira ziehen und jedes Jahr aufs Neue eine Vorsaison anbieten, die gleichzeitig sportlich hochwertig und organisatorisch entspannt ist. Ich möchte dir in diesem Artikel zeigen, warum diese Phase so unterschätzt ist und was du beachten musst, wenn du sie für dich nutzen willst.

Was den Albacore besonders macht

Der Albacore, auch weißer Thun genannt, ist einer der sportlichsten Thunfische im Atlantik und zugleich einer der wohlschmeckendsten. Er wird im Schnitt zwischen zehn und dreißig Kilogramm schwer, in Einzelfällen auch deutlich mehr, und er ist bekannt für seine schnellen, geraden Fluchten und seine Ausdauer im Drill. Im Vergleich zu einem Bluefin ist er kein Titan, aber auf 50-Pfund-Tackle bietet er dir einen Drill, den du so schnell nicht vergisst.

Was den Albacore im Frühjahr vor Madeira besonders macht, ist seine Routine. Die Fische folgen den Kaltwasser-Strömungen aus dem Norden, die im März und April die Unterwasserbergrücken östlich und südlich der Insel umspülen. Dort sammeln sich die Beutefische, vor allem Sardinen, Makrelen und kleine Kalmare, und die Albacore ziehen in großen Schulen hinterher. Ein gut informierter Skipper mit aktuellen Temperatur- und Chlorophyll-Daten kann diese Schulen oft über mehrere Tage im selben Gebiet halten.

Warum die Vorsaison organisatorisch so attraktiv ist

Neben der reinen Fangqualität gibt es im Frühjahr vor Madeira ein paar praktische Vorteile, die man nicht übersehen sollte. Erstens sind die besten Charter-Skipper noch nicht in der Hauptsaison gebunden. Du kannst oft zwei, drei Wochen vorher anfragen und bekommst einen Top-Skipper, der im Juli ausgebucht ist und kein Gespräch mit dir führen würde. Zweitens sind die Preise im März und April meist zwanzig bis dreißig Prozent niedriger als in der Hochsaison. Drittens teilst du dir das Revier mit vielleicht zwei oder drei anderen Booten, statt wie im Sommer mit fünfzehn.

Das bedeutet: du kannst in Ruhe Temperaturkanten abfahren, musst dich nicht in Hot Spots drängeln und hast deinen Skipper für die ganze Tour wirklich für dich. Die Atmosphäre an Bord ist komplett anders, ruhiger, konzentrierter, eher wie eine Expedition als wie ein Rennen.

Das Setup für Albacore im Frühjahr

Die meisten Albacore-Sessions vor Madeira laufen als klassisches Trolling mit vier bis sechs ausgelegten Ruten, wobei die Rigger-Linien die äußeren Köder in Position halten und zwei mittlere Linien direkt vom Heck gefahren werden. Als Köder nutze ich im April gerne kleinere Skirted Lures in den Größen sieben bis neun Zoll, in Farben wie Purple Black, Blue White und Green Yellow. Der Albacore reagiert im kühleren Frühjahrswasser besonders gut auf Köder mit viel Bewegung und auffälliger Farbgebung.

Die Trolling-Geschwindigkeit liegt zwischen sechs und sieben Knoten, deutlich langsamer als für Marlin. Das ist wichtig, weil die Albacore bei höherer Geschwindigkeit die Köder seltener attackieren. Wenn ich mehrere Boote im selben Revier sehe, die mit acht Knoten unterwegs sind und kaum Bisse haben, während wir bei sechseinhalb Knoten einen Fisch nach dem anderen landen, dann weiß ich, dass die Geschwindigkeit der entscheidende Faktor war.

Beim Tackle arbeite ich meist mit 30- oder 50-Pfund-Class-Ruten, Shimano Tiagra oder Okuma Makaira Rollen, und fluorocarbon Top Shots in 80-Pfund. Das reicht für die typischen Albacore-Größen vollkommen aus und gibt dir einen sportlichen Drill, bei dem der Fisch wirklich kämpfen kann. Wer sein Tackle extra schwer dimensioniert, verschenkt die Hälfte des Erlebnisses.

Ein typischer Tag auf See

Ein normaler Frühjahrs-Tag sieht bei mir so aus: Abfahrt um halb sieben aus Calheta, eine Stunde Fahrt bis zum Unterwasserbergrücken östlich der Insel, dann beginnt das Trolling. Wir fahren systematisch an der Temperaturkante entlang, die wir vorher auf den Satellitenkarten identifiziert haben, und lassen die Köder arbeiten. Die ersten Bisse kommen meist zwischen neun und elf Uhr, wenn die Sonne das Wasser leicht durchwärmt und die Beutefische in die oberen Zonen steigen.

Ein guter Tag bringt drei bis fünf Albacore ins Boot, an herausragenden Tagen auch mal acht oder neun. Beifänge sind im April oft Dorado und die ersten Wahoo, und wenn du wirklich Glück hast, läuft dir sogar ein früher Bigeye in die Köderkette. Ich selber habe in den letzten Jahren im April zweimal einen 80-Pfund-Bigeye auf Albacore-Setup gefangen, und das sind Erinnerungen, die man nie mehr vergisst.

Mein Fazit

Die Albacore-Vorsaison vor Madeira ist für mich eine der lohnendsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Ecken im europäischen Big Game. Du bekommst hochwertigen sportlichen Thunfisch auf 50-Pfund-Tackle, in einem Revier von Weltklasse, zu Preisen und unter Bedingungen, die du im Juli niemals hast. Und wenn du einmal einen 25-Kilo-Albacore an 50er Class gedrillt hast, während sich Madeira mit seinen vulkanischen Klippen am Horizont abzeichnet, dann verstehst du, warum ich jedes Jahr wieder dorthin fliege.

Wenn du 2026 noch keine Big-Game-Reise geplant hast, schau dir die letzten Aprilwochen oder die erste Maiwoche auf Madeira mal an. Ein paar Skipper nehmen auch kurzfristige Buchungen, und die Preise sind noch attraktiv.

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