Ich erinnere mich an jeden einzelnen Stand Up Fight gegen einen großen Bluefin, nicht weil die Fische sich voneinander unterschieden hätten, sondern weil mein Körper sich jedes Mal neu entscheiden musste, wie viel er noch geben konnte. Der erste Lauf ist nie das Problem. Das Problem kommt nach zwanzig Minuten, wenn die Arme anfangen zu zittern und der Fisch noch gar nicht angefangen hat, müde zu werden.
Warum der Gurt über den Ausgang des Fights entscheidet
Ein Fighting Belt ist kein Komfortzubehör, er ist das Werkzeug, das deine Arme aus der Gleichung nimmt. Der Gimbal am Gurt nimmt den Rutenfuß auf und leitet die gesamte Last der Rute direkt in dein Becken und deine Beine. Ohne Gurt drillst du im Grunde mit deinen Bizeps gegen ein Tier, das dreihundert Kilo wiegen kann. Mit Gurt drillst du mit deinem gesamten Körpergewicht, und das ist ein Unterschied, der sich nach einer Stunde in Minuten auszahlt.
Ich sitze den Gurt immer so tief wie möglich auf der Hüfte, nicht auf der Taille. Auf der Taille rutscht er bei jedem Pump nach oben, und du verlierst genau in dem Moment die Führung, in dem du sie am meisten brauchst. Die Gimbal-Platte sollte eine leichte Neigung nach unten haben, damit der Rutenfuß nicht herausrutscht, wenn die Rute unter Last steht. Bei meinen Törns im Mittelmeer nehme ich für Bluefin über hundert Kilo grundsätzlich einen gepolsterten Gurt mit breitem Rückenteil, die schmalen Gurte aus dem Einsteigerbereich sind für Yellowfin bis vierzig Kilo gedacht, nicht für die großen Roten Thune, die im Herbst vor den Küsten stehen.
Die Körperhaltung, die deinen Rücken schont
Die meisten Anfänger stehen beim Stand Up Fight viel zu aufrecht. Sie strecken sich der Rute entgegen, als wollten sie dem Fisch etwas erklären. Das kostet unnötig Kraft und belastet den unteren Rücken auf eine Art, die am nächsten Tag jeder spürt, der es noch nie richtig gemacht hat. Richtig ist eine tiefe, breite Standposition. Die Füße etwa schulterbreit auseinander, die Knie leicht gebeugt, der Oberkörper nach hinten geneigt, sodass dein ganzes Gewicht gegen die Rute arbeitet statt nur dein Arm.
Ich stelle mich bei jedem Lauf so hin, als würde ich mich gegen eine unsichtbare Wand lehnen, die hinter mir steht. Das Gewicht geht in die Fersen, nicht in die Zehen. Sobald ich merke, dass ich mich auf die Fußballen verlagere, weiß ich, dass ich meine Position verloren habe und der Fisch gerade gewinnt, auch wenn die Rolle noch läuft. Auf einem Boot, das im Seegang rollt, ist diese Standfestigkeit noch wichtiger als an Land. Ich suche mir am Heck immer einen Punkt, an dem ich mich mit einem Fuß gegen die Reling oder eine Fußstütze abstützen kann, das gibt dir zusätzlichen Halt bei jeder Welle, die das Boot aus der Balance bringt.
Pump and Wind: Die Technik, die wirklich Meter macht
Pump and Wind ist der Kern jedes Stand Up Fights, und die meisten Angler machen es halb richtig und wundern sich, warum sie nach zehn Minuten fertig sind. Die Bewegung läuft in zwei klar getrennten Phasen. In der ersten Phase senkst du die Rutenspitze auf etwa fünfundvierzig Grad und beginnst dann, dich mit den Beinen und dem Rücken nach hinten zu lehnen, nicht mit den Armen zu ziehen. Die Rute hebt sich dabei fast von selbst, weil dein Körpergewicht die Arbeit macht. In der zweiten Phase, wenn die Rutenspitze bei etwa sechzig bis siebzig Grad steht, senkst du die Rute schnell wieder ab und kurbelst in genau diesem Moment die Schnur ein, die du durch das Heben gewonnen hast.
Der Fehler, den ich am häufigsten sehe, ist Kurbeln während des Hebens. Das bringt nichts, weil die Rolle gegen die Last des Fisches ankurbeln muss, während deine Beine gleichzeitig die Arbeit des Hebens machen. Du verdoppelst die Anstrengung und gewinnst dabei keinen einzigen zusätzlichen Zentimeter Schnur. Erst heben, dann senken und kurbeln, in einem klaren Rhythmus. Bei einem guten Pump and Wind gewinnst du pro Zyklus etwa einen halben bis einen Meter Schnur, je nachdem wie tief der Fisch steht und wie stark er gerade zieht. Bei einem großen Mittelmeer-Bluefin auf hundertdreißig Pfund rechne ich grob mit fünfzehn bis zwanzig solchen Zyklen pro Minute in ruhigen Phasen des Drills, weniger natürlich, wenn der Fisch gerade wieder Schnur nimmt.
Ermüdung managen, bevor sie dich übernimmt
Ein Stand Up Fight gegen einen großen Bluefin dauert im Mittelmeer oft vierzig Minuten, manchmal über eine Stunde. Ich habe Fights erlebt, die fast zwei Stunden gingen, bei einem Fisch, der konsequent in die Tiefe zog und sich einfach nicht überreden lassen wollte. Die Ermüdung kommt nicht linear, sie kommt in Wellen. Nach den ersten fünf Minuten merkst du die erste Welle in den Unterarmen, die meistens vorbeigeht, wenn du die Technik korrigierst und wieder mehr über die Beine arbeitest statt über die Arme.
Die zweite Welle kommt nach fünfzehn bis zwanzig Minuten und betrifft den unteren Rücken und die Oberschenkel. Hier hilft es, bewusst durchzuatmen und den Rhythmus zu verlangsamen statt zu verkrampfen. Ich rede in dieser Phase laut mit mir selbst, auch wenn das albern aussieht, es hilft mir, den Atem nicht anzuhalten, was viele Angler unbewusst tun und wodurch sie schneller erschöpfen. Wenn eine Crew an Bord ist, wechseln wir uns bei langen Fights ab, meist nach zwanzig bis dreißig Minuten, wenn es die Regularien und der IGFA-Status des Fangs zulassen. Bei einem Rekordversuch bleibt natürlich eine Person am Fisch, aber bei einem normalen Trip gibt es keinen Grund, sich den Rücken zu ruinieren, wenn jemand anderes an Bord frisch und bereit ist.
Was viele unterschätzen: Trinken während des Fights ist kein Zeichen von Schwäche. Ich habe immer eine Flasche Wasser griffbereit, die mir jemand an Bord reicht, während ich stehe und drille, denn Dehydrierung macht dich schneller fertig als die eigentliche Kraftanstrengung. Und wenn der Fisch plötzlich wieder Schnur nimmt, nachdem du gerade zwanzig Meter gewonnen hast, verfluche ihn ruhig innerlich, aber verändere nicht deine Technik aus Frustration. Genau in solchen Momenten passieren die Fehler, die zum Schnurbruch führen.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Der größte Fehler ist, die Rute während des Pumps zu weit nach vorne zu bringen, über neunzig Grad hinaus. Das sieht dramatisch aus, bringt aber kaum zusätzliche Schnur und kostet unnötig Kraft im oberen Rücken. Der zweite häufige Fehler ist ein zu lockerer Gurt, der bei jedem Pump verrutscht und dich zwingt, ihn mit einer Hand festzuhalten, während die andere die Rute führt. Das macht die ganze Technik einseitig und ineffizient. Der dritte Fehler, den ich selbst früher gemacht habe, ist zu früh zu glauben, der Fisch sei müde, nur weil er kurz ruhiger wird. Ein Bluefin, der kurz pausiert, sammelt oft nur Kraft für den nächsten Lauf. Bleib in deiner Haltung, bis die Rute tatsächlich dauerhaft weniger Druck zeigt.
Und jetzt: Leinen los
Ein guter Stand Up Fight ist kein Kraftakt, er ist ein Rhythmus aus Heben, Senken und Kurbeln, getragen von einer tiefen, stabilen Standposition und einem Gurt, der richtig sitzt. Wer das verinnerlicht, kann einen hundertfünfzig Kilo schweren Bluefin bringen, ohne sich dabei den Rücken zu zerstören. Übe die Bewegung ruhig schon am Kai, bevor der erste Fisch anläuft, dein Körper muss den Rhythmus kennen, bevor die Rolle zum ersten Mal richtig kreischt.