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Drohnen-Scouting offshore: Schwärme von oben erkennen

Drohnen verändern die Schwarmsuche auf See. Was die EU-Regulatorik erlaubt, welche Reichweiten realistisch sind und wie du Thunfischaktivität aus der Luft erkennst.

Bluefin Yellowfin
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TunaIQ Autor · Big-Game-Experte
Drohnen-Scouting offshore: Schwärme von oben erkennen

Sechs Uhr morgens, zwölf Seemeilen vor der Küste, der Motor im Leerlauf. Die Oberfläche liegt glatt wie Blei, kein Vogel in Sicht, keine Spritzer, kein Hinweis. Du könntest jetzt zwei Stunden kreuzend suchen, Diesel verbrennen, SST-Karten mit der Realität abgleichen. Oder du schickst etwas nach oben, das in drei Minuten sieht, wofür du von der Wasseroberfläche eine Stunde brauchst. Eine Drohne.

Seit ein paar Jahren beobachte ich, wie immer mehr Big-Game-Angler im Mittelmeer und am Atlantik eine kompakte Drohne an Bord haben. Das Potenzial ist enorm. Aber zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was rechtlich erlaubt ist, klafft eine Lücke, die viele unterschätzen. Ich habe mich intensiv mit der Regulatorik beschäftigt, verschiedene Modelle auf See getestet und will hier meine Erfahrungen teilen.

Was die EU-Regulatorik über Wasser erlaubt

Das europäische Drohnenrecht wird seit 2021 einheitlich durch die EASA geregelt. Die Verordnungen EU 2019/947 und EU 2019/945 teilen Drohnenflüge in drei Kategorien ein: Open, Specific und Certified. Für uns Angler auf See ist vor allem die Grenze zwischen Open und Specific relevant.

In der Open-Kategorie darfst du Drohnen unter 25 Kilogramm fliegen, ohne eine spezielle Genehmigung zu beantragen. Die wichtigste Einschränkung: du musst die Drohne jederzeit in Sichtweite halten, das sogenannte VLOS-Prinzip (Visual Line of Sight). In der Praxis bedeutet das bei guten Bedingungen auf See eine Reichweite von 300 bis maximal 500 Metern. Die Drohne muss als Punkt am Himmel noch erkennbar sein. Zwölf Seemeilen draußen, wo keine unbeteiligten Personen sind, darfst du in der Unterkategorie A1 oder A3 fliegen, je nach Gewichtsklasse deiner Drohne. Eine typische DJI Mavic 3 mit unter 900 Gramm fällt in die C1-Klasse und darf in A1 betrieben werden.

Wer seine Drohne weiter schicken will, außerhalb der Sichtweite, betritt die Specific-Kategorie. Dafür brauchst du eine Betriebsgenehmigung deiner nationalen Luftfahrtbehörde. In Deutschland ist das das LBA, in Kroatien die CCAA, in Spanien AESA. Du musst eine Risikobewertung nach der SORA-Methodik einreichen (Specific Operations Risk Assessment), die den Bodenrisiko- und Luftrisikobereich definiert. Über offenem Meer ohne Schiffsverkehr ist das Bodenrisiko naturgemäß niedrig, aber der bürokratische Aufwand bleibt erheblich.

Ein Punkt, den viele vergessen: auch in der Open-Kategorie brauchst du eine EU-Fernpilotenlizenz. Die Onlineprüfung beim LBA dauert eine halbe Stunde und ist kostenlos. Ohne diese Lizenz fliegst du illegal, auch zwölf Meilen draußen über nichts als Wasser.

Welche Reichweiten auf See realistisch sind

Die Herstellerangaben zur Funkreichweite klingen beeindruckend. 15 Kilometer bei der DJI Mavic 3, 20 Kilometer Übertragungsreichweite bei der DJI Air 3. Diese Werte stammen aus Tests unter Laborbedingungen an Land, ohne Störsignale, ohne Wind, ohne Salzwassergischt.

Auf See sieht die Realität anders aus. In meinen Tests vor der kroatischen Küste habe ich mit einer Mavic 3 bei leichtem Wind um die 4 Knoten stabile Videoübertragung bis etwa 3,5 Kilometer erreicht. Bei 15 Knoten Wind und Wellengang um einen Meter wurde das Signal ab 2 Kilometern unzuverlässig. Der Grund ist simpel: Salzwasser reflektiert Funkwellen, die feuchte Seeluft dämpft das Signal, und das Boot als Startplattform bewegt sich ständig.

Die Akkulaufzeit ist der zweite begrenzende Faktor. Eine Mavic 3 schafft unter optimalen Bedingungen 46 Minuten. Auf See, mit Gegenwind auf dem Rückweg und den ständigen Korrekturen durch Böen, sind 25 bis 30 Minuten realistisch. Wenn du 2 Kilometer rausfliegst, dort fünf Minuten suchst und zurückkommst, bist du bei starkem Wind schon am Limit.

Mein Praxistipp: Rechne offshore immer mit der halben Herstellerangabe bei der Akkulaufzeit und einem Drittel bei der Funkreichweite. Nimm mindestens drei vollgeladene Akkus mit und plane den Return-to-Home-Punkt sorgfältig. Über Wasser gibt es keinen Platz für eine Notlandung. Wenn der Akku ausgeht, schwimmt deine Drohne nicht.

Was du aus der Luft tatsächlich siehst

Und hier wird es spannend. Aus 80 bis 120 Metern Höhe entfaltet sich ein Blick auf die Wasseroberfläche, der vom Boot aus schlicht unmöglich ist. In drei Jahren Drohnen-Scouting habe ich gelernt, auf vier Signale zu achten.

Das offensichtlichste sind Vögel. Möwen und Seeschwalben, die in einer engen Kreisbewegung über einer Stelle stehen, zeigen fast immer Köderfischaktivität an. Von oben erkennst du sofort, ob es drei einzelne Vögel sind, die ziellos fliegen, oder ob sich ein Dutzend auf einen Punkt konzentriert. Dieser Unterschied ist vom Boot aus auf zwei Kilometer Entfernung unmöglich zu sehen, aus der Luft dagegen kristallklar.

Das zweite Signal sind dunkle Schatten unter der Oberfläche. Thunfischschwärme, besonders Bluefin, zeichnen sich aus der Vogelperspektive als dunkelblau-violette Flecken ab, die sich langsam durch das hellere Umgebungswasser bewegen. Bei guten Lichtverhältnissen, am besten vormittags mit der Sonne im Rücken, erkennst du Schwärme auf 30 bis 50 Meter Wassertiefe.

Drittens: Spritzer und Schaumlinien. Ein aktiv fressender Thunfischschwarm erzeugt kurze weiße Eruptionen an der Oberfläche, die aus der Luft auch auf große Entfernung auffallen. Die Drohne erlaubt dir, die Größe der Fresszone einzuschätzen und dein Boot gezielt in Position zu bringen, statt blind in die Richtung zu fahren und den Schwarm womöglich zu verscheuchen.

Das vierte und unterschätzte Signal sind Farbübergänge im Wasser. Temperaturkanten, Strömungsgrenzen und Planktonkonzentrationen zeichnen sich aus der Luft als subtile Farbwechsel ab, von Tiefblau zu Grünblau, von klar zu leicht trüb. Diese Übergangszonen sind exakt die Stellen, an denen sich Köderfisch sammelt und Thunfische jagen. Vom Boot aus siehst du diese Grenzen erst, wenn du mittendrin stehst. Aus 100 Metern Höhe erkennst du sie auf einen Blick.

Start und Landung vom Boot: Praxis statt Theorie

Die größte Herausforderung beim Drohnen-Scouting ist nicht das Fliegen selbst, sondern Start und Landung auf einem schwankenden Boot. Ein Landepad auf dem Vordeck funktioniert nur bei Flaute. In der Praxis starte und lande ich per Handstart: Drohne in der ausgestreckten Hand hochhalten, Motoren starten, loslassen. Bei der Landung fängt ein Helfer die Drohne im Anflug an den Landebeinen. Das erfordert Übung und Vertrauen, ist aber nach fünf, sechs Versuchen Routine.

Ein zweiter Punkt: die Kompasskalibrierung. Viele Drohnen verlangen eine Kalibrierung des Kompasses vor dem Erstflug. Auf einem Stahlboot inmitten von Metallteilen, Elektronik und Motoren ist diese Kalibrierung oft fehlerhaft. Ich kalibriere meinen Kompass grundsätzlich an Land vor der Ausfahrt und starte auf See ohne erneute Kalibrierung. GPS-Empfang ist auf offener See ohnehin excellent, die Drohne findet ihr Boot auch ohne perfekten Kompass.

Salz ist der natürliche Feind jeder Drohne. Nach jedem Einsatz auf See wische ich die Drohne mit einem feuchten Tuch ab, besonders die Motoren und die Linse. Einmal pro Saison schicke ich sie zur Wartung. Salzkorrosion an den Motorlagern hat mich eine Drohne gekostet, das passiert mir nicht noch einmal.

Was am Ende zählt

Eine Drohne ersetzt weder Erfahrung noch Seemannsinstinkt. Sie ersetzt nicht das Lesen der Temperaturkarten am Abend vorher, nicht das Gefühl für Strömung und Tide, nicht die dreißig Jahre, in denen man gelernt hat, wann und wo die Fische stehen. Aber sie erweitert deinen Radius. Sie gibt dir einen Blick, den du ohne sie nicht hast. Und in den Momenten, in denen die See schweigt und kein Vogel dir den Weg weist, kann dieser Blick von oben den Unterschied machen zwischen einem leeren Kielwasser und einem kreischenden Bremsenlauf.

Halte dich an die Regeln, kenne deine Reichweiten, übe den Handstart bei Flaute bevor du es bei Seegang probierst. Und wenn du das erste Mal aus hundert Metern Höhe einen dunklen Schatten durch türkises Wasser ziehen siehst, wirst du verstehen, warum dieses Werkzeug seinen Platz an Bord verdient hat.

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