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Schwertfisch am Tag: Deep Drop mit Elektrorolle in Gibraltar

Fünfhundert Meter Schnur, eine heulende Elektrorolle und ein Leuchtköder in ewiger Dunkelheit. Warum die Straße von Gibraltar der beste Platz Europas für Schwertfisch am helllichten Tag ist.

Swordfish
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TunaIQ Autor · Big-Game-Experte
Schwertfisch am Tag: Deep Drop mit Elektrorolle in Gibraltar

Mittags, Sonne senkrecht über dem Wasser, und trotzdem ist dort unten, fünfhundert Meter unter dem Kiel, tiefste Nacht. Ich stehe am Heck, die Elektrorolle surrt leise im Standgas, und auf dem digitalen Tiefenmesser laufen die Meter rückwärts. Vierhundertachtzig, vierhundertneunzig, fünfhundert. Irgendwo in dieser Schwärze, zwischen den Strömungskanten der Straße von Gibraltar, jagt jetzt ein Fisch, der seit Jahrmillionen genau dort zu Hause ist. Und ich muss nicht einmal auf die Nacht warten, um ihn zu treffen.

Warum der Tag den Schwertfisch nicht schützt

Die meisten Angler verbinden Schwertfisch automatisch mit Dunkelheit, mit Driftnächten und Leuchtbleien unter dem Mond. Das stimmt für die flacheren Reviere, in denen die Fische erst nachts an die Oberfläche steigen, um zu jagen. In der Straße von Gibraltar brauche ich diese Geduld nicht. Der Meeresboden fällt hier auf wenigen Seemeilen von der Küste weg auf sechshundert, siebenhundert Meter ab, und genau in dieser Tiefe steht der Schwertfisch auch tagsüber, weil es da unten ohnehin finster ist. Für ihn ist Mittag und Mitternacht ab dreihundert Metern Tiefe praktisch dasselbe Licht. Diese Erkenntnis, ursprünglich aus Florida und den Keys zu uns herübergeschwappt, hat das Deep-Dropping am Tag zur verlässlichsten Schwertfischtechnik im europäischen Atlantik gemacht. Ich fahre dafür nicht mehr nachts raus, ich fahre bei Tageslicht, sehe meine Köder beim Absetzen und bin abends wieder im Hafen von Tarifa oder La Línea.

Die Straße von Gibraltar: Ein Nadelöhr, das die Fische zwingt

Was dieses Revier so besonders macht, ist die Strömung. Zwischen Atlantik und Mittelmeer presst sich hier eine enorme Wassermasse durch eine Engstelle von kaum vierzehn Kilometern Breite, und das erzeugt Gezeitenströme, die ich so kaum irgendwo sonst erlebt habe. Genau diese Strömung konzentriert Tintenfisch und Köderfisch an den Kanten und Tiefenlinien vor Tarifa, Punta Carnero und dem Banco de Tolmo, und der Schwertfisch folgt diesem Nahrungsangebot zuverlässig. Ich suche meine Drifts gezielt entlang der Bathymetrie, dort wo die 400- bis 600-Meter-Tiefenlinie auf eine Kante trifft, denn dort staut sich die Strömung und drückt Nahrung regelrecht gegen die Hangkante. Ein GPS-Plotter mit ordentlicher Seekarte ist hier die Grundlage für jeden erfolgreichen Drift.

Warum die Elektrorolle hier Pflicht ist

Wer glaubt, er könne fünfhundert Meter monofile oder geflochtene Schnur mit Handkraft gegen einen fünfzig Kilo schweren Fisch einholen, hat noch nie einen echten Deep-Drop-Drill erlebt. Ich arbeite an Bord ausschließlich mit Elektrorollen mit digitalem Tiefenmesser, wie sie auch im norwegischen Tiefseefischen auf Leng und Rotbarsch verwendet werden, nur in der größeren Big-Game-Klasse. Der Line-Counter ist dabei fast wichtiger als der Motor selbst. Ich lasse meinen Köder exakt bis fünfhundert Meter absinken, parke ihn dort für eine Weile in der sogenannten haltenden Phase, hole ihn dann zehn bis zwanzig Meter höher und lasse ihn wieder absacken. Diese Jo-Jo-Bewegung über die gesamte Wassersäule bringt mir deutlich mehr Bisse als ein starr am Grund liegender Köder. Ohne Elektromotor wäre allein das mehrfache Einholen über die komplette Tiefe an einem einzigen Angeltag schlicht nicht zu schaffen, geschweige denn der Drill danach.

Schwere Bleie gegen eine Strömung, die nicht nachgibt

Die Strömung in der Straße von Gibraltar ist der Grund, warum ich hier mit Bleigewichten arbeite, die anderswo völlig überdimensioniert wirken würden. Je nach Gezeitenphase hänge ich zwischen eineinhalb und vier Kilogramm Blei an meine Hauptmontage, meist als Breakaway-System am Ende einer kurzen Vorfachschlaufe, damit das Gewicht sich beim ersten harten Biss vom Rig löst und ich nicht gegen zusätzlichen Widerstand drillen muss. Ohne dieses Gewicht würde mein Köder bei starker Strömung einfach seitlich wegtreiben, statt senkrecht in die Zielzone zu sinken. Ich merke das sofort am Tiefenmesser: Sinkt der Köder zu langsam oder treibt er sichtbar ab, wandert das nächste Blei automatisch eine Nummer schwerer in die Kiste. Als Hauptschnur fahre ich geflochtene 80- bis 100-Pfund-Linie wegen des geringen Durchmessers und damit geringeren Strömungswiderstands. Als Vorfach nutze ich monofiles oder Fluorocarbon-Material um die 200 Pfund, denn die Haut eines Schwertfisches ist rau wie Schmirgelpapier und zerstört dünneres Material im Drill zuverlässig.

Leuchtköder, weil es da unten immer Nacht ist

Hier schließt sich der Kreis zur klassischen Nachtangelei auf Schwertfisch, denn das Prinzip bleibt exakt dasselbe. Auf fünfhundert Metern Tiefe dringt kein Sonnenlicht mehr durch, also baue ich in meine Montage dieselben Leuchtelemente ein, die ich auch beim nächtlichen Driftfischen verwende. Ein Knicklicht direkt über dem Köder, ergänzt durch ein batteriebetriebenes Leuchtblei mit LED, das aufblinkt, sobald es Wasserkontakt bekommt. Dazu häufig ein kleiner elektronischer Blinker etwa drei Meter vor dem Köder, der im Rhythmus pulsiert und von unten wie ein verletzter Köderfisch wirkt. Als Köder selbst läuft bei mir meist ein frischer Tintenfisch oder eine ganze Makrele am Circle-Hook, denn Calamar gehört zur absoluten Lieblingsspeise des Schwertfisches und lässt sich an der Küste rund um Tarifa frisch und günstig besorgen. Das Licht lockt, der Geruch hält den Fisch in der Nähe, und die Kombination aus beidem funktioniert in dieser Tiefe genauso verlässlich bei Tag wie bei Nacht.

Mein Fazit

Der Schwertfisch am Tag ist für mich mittlerweile planbarer als jede Nachttour, weil ich das Umfeld sehe, meine Drifts entlang der Tiefenlinien gezielt fahre und nicht gegen Müdigkeit und Dunkelheit ankämpfen muss. Entscheidend sind drei Dinge: eine Elektrorolle mit präzisem Tiefenmesser, Bleigewichte, die der Strömung in der Straße von Gibraltar wirklich gewachsen sind, und Leuchtköder, die dem Fisch unten in seiner ewigen Nacht signalisieren, dass hier etwas Fressbares hängt. Wer das beherzigt, braucht für seinen ersten Schwertfisch am helllichten Tag vielleicht schon die nächste Ausfahrt und keine zehn Expeditionen mehr. Ruhige See und gebogene Ruten!

Tags
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Calm seas and bent rods!
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