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Spinnfischen auf Thunfisch im Mittelmeer: Warum der April deine beste Zeit ist

Während viele noch auf die Trolling-Saison warten, beginnt im April im Mittelmeer die heißeste Spinnfisch-Phase des Jahres. Jagende Bluefin, Little Tunny und Palamiden an der Oberfläche, und wer jetzt mit Stickbaits und Poppers draußen ist, erlebt Szenen, die du im Sommer nicht mehr bekommst.

Bluefin Little-Tunny
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TunaIQ Autor · Big-Game-Experte
Spinnfischen auf Thunfisch im Mittelmeer: Warum der April deine beste Zeit ist

Fünf Uhr morgens, der Hafen von Palma liegt noch im Dämmerlicht, der Kaffee dampft in zwei Bechern, und wir schmeißen die Leinen los. Eine Stunde später, zehn Seemeilen südwestlich von Mallorca, stehen wir mitten in einer der aufregendsten Szenen, die das Mittelmeer im ganzen Jahr zu bieten hat. Möwen kreisen über einem quadratkilometergroßen Feld aus aufgescheuchten Sardinen, und darunter explodiert immer wieder die Oberfläche, wenn ein Bluefin durch den Schwarm bricht. Wir werfen keine zehn Würfe, bis der erste Stickbait vor den Augen unserer staunenden Crew an der Oberfläche ausgerissen wird und meine Rolle zu singen anfängt.

Das ist April im Mittelmeer. Und während in den Yachthäfen ringsum noch viele Angler auf die große Bluefin-Saison im Juni und Juli warten und ihre Trolling-Ruten sortieren, weiß eine kleine, eingeweihte Gruppe, dass jetzt, genau jetzt, die besten Wochen des Jahres für das Spinnfischen laufen. Ich möchte dir in diesem Artikel erklären, warum das so ist und wie du das maximale aus dieser oft unterschätzten Phase herausholst.

Warum April und nicht Juni?

Die große kommerzielle Bluefin-Saison im Mittelmeer startet meist erst ab Mai oder Juni, und viele Trolling-Charter beginnen frühestens dann. Der Grund sind die Wanderungen der adulten Tiere und die Schulen, die sich dann an bekannten FADs und Hot Spots sammeln. Aber die Thunfische sind vorher schon da. Schon ab Ende März und vor allem im April jagen jüngere Bluefin zwischen zehn und fünfzig Kilogramm, Little Tunny und Palamiden aggressiv an der Oberfläche, weil die ersten großen Schwärme von Sardinen und Sardellen in die Flachwasserzonen ziehen.

Die Wassertemperaturen liegen im April im westlichen Mittelmeer zwischen sechzehn und achtzehn Grad. Das ist die magische Zone, in der sich die Beutefische massenhaft sammeln und in der die jungen Thunfische mit maximaler Energie jagen. Später im Jahr, bei zwanzig plus Grad, verteilen sich die Schwärme und die Jagdszenen werden seltener und punktueller. Im April hingegen findest du an den richtigen Stellen mehrere dieser Blitz-Szenen pro Stunde.

Wo du die Jagden findest

Die besten Gebiete für das Frühjahrs-Spinnfischen sind im westlichen Mittelmeer vor den Balearen, an der sardischen Ostküste, vor Sizilien, an der Costa Brava und an bestimmten Abschnitten der französischen Mittelmeerküste. Aber innerhalb dieser Regionen musst du die richtigen Mikro-Spots finden, sonst fährst du stundenlang durch leeres Wasser.

Meine Strategie ist simpel: ich orientiere mich an drei Dingen. Erstens an den Möwen. Eine aktive Möwenkolonie, die plötzlich in einem bestimmten Gebiet zu kreisen beginnt, ist das zuverlässigste Signal, das du auf See bekommst. Die Möwen sehen die aufscheuchenden Sardinen, bevor du die Jagd siehst, und sie führen dich direkt zur Party. Zweitens achte ich auf die Temperatur- und Chlorophyll-Karten der letzten Tage. An den Kanten zwischen zwei Wassermassen mit unterschiedlichen Temperaturen sammeln sich Beutefische, und genau dort fängst du an zu suchen. Drittens folge ich dem Wind. Leichter Wind aus Südwest bei ruhiger See ist bei mir der beste Verbündete.

Die Köder, die ich im April immer dabei habe

Im Frühjahr fische ich mit drei Ködertypen, die sich gegenseitig ergänzen. An erster Stelle stehen Stickbaits zwischen achtzehn und fünfundzwanzig Zentimetern, in silbrigen oder bluebacked Farben, die eine Sardine imitieren. Die Führung ist aggressiv und unregelmäßig, mit harten Zügen und kurzen Pausen, so dass der Köder wie ein verwirrter Flüchtling über die Oberfläche tanzt. Das ist der Köder, den ich immer als ersten werfe, wenn ich eine Jagd sehe.

Der zweite Köder ist ein Popper von etwa zwanzig Zentimetern, idealerweise einer mit einem tiefen, saugenden Spritzer. Popper setze ich ein, wenn die Thunfische etwas misstrauisch sind oder wenn die Jagd bereits beruhigt ist. Der Spritzer klingt aus einiger Entfernung wie ein fliehendes Beutefisch, und manchmal holt er einen Fisch zurück an die Oberfläche, der gerade abtauchen wollte.

Der dritte Köder, den ich immer dabei habe, ist ein Metal Jig zwischen achtzig und hundertfünfzig Gramm, schnelles Metal, das ich vertikal einsetze, wenn die Jagd unter die Oberfläche zieht und ich den Fisch in fünfzehn bis dreißig Meter Tiefe nachstellen muss. Ein paar aggressive Jerks direkt unter der ausgelaufenen Jagd holen oft noch einen zusätzlichen Fisch, wenn die Oberflächenaction bereits vorbei ist.

Das Tackle: nicht zu leicht, nicht zu schwer

Für das Mittelmeer-Spinnfischen im April fahre ich mit einer kräftigen Stellarrute von sieben Fuß sechs bis acht Fuß, mit einem Wurfgewicht zwischen achtzig und einhundertfünfzig Gramm. Die Rute muss genug Rückgrat haben, um einen mittelgroßen Bluefin auch aus der Nähe zum Boot zu bringen, aber gleichzeitig sensibel genug sein, um einen vierzehn-Zentimeter-Popper sauber zu führen.

Die Rolle ist eine Shimano Stella SW 14000 oder 18000, oder ein vergleichbares Modell von Daiwa, mit mindestens zwanzig Kilo Bremskraft und einer Schnurkapazität von dreihundert Metern 50lb Braid. Dünner würde ich im Mittelmeer nicht gehen, denn ein Bluefin kann dir in der ersten Flucht leicht zweihundert Meter Schnur von der Rolle nehmen, und dann willst du Reserve haben. Als Vorfach fische ich ein fluorocarbon Top Shot von etwa drei Metern Länge in 80 bis 100 Pfund.

Ein paar Worte zu Bestand und Regelungen

Das möchte ich hier auf keinen Fall auslassen: der atlantische Rote Thun steht unter strenger ICCAT-Quotenregelung. In vielen Mittelmeer-Ländern brauchst du eine spezielle Erlaubnis, wenn du gezielt auf Bluefin fischst, und Mitnahme ist oft nur über zertifizierte Charter erlaubt. Prüfe die lokalen Bestimmungen vor jeder Tour, respektiere Mindestmaße und Quoten, und praktiziere im Zweifel Catch & Release. Kreisförmige Haken an den Ködern, kurze Drill-Zeiten und sauberes Handling am Boot sind dabei kein nice-to-have, sondern Pflicht.

Mein Fazit

Der April im Mittelmeer ist für mich die aufregendste, intensivste und oft erfolgreichste Zeit für das Spinnfischen auf Thunfisch im gesamten Jahr. Jagende Bluefin, Little Tunny und Palamiden an der Oberfläche, kaum Konkurrenz durch andere Charter und Wassertemperaturen, die die Fische in den optimalen Fressrhythmus bringen. Wenn du einmal dabei warst, wie ein Stickbait in klarem Frühjahrswasser direkt unter deinen Augen von einem fünfundzwanzig-Kilo-Bluefin ausgerissen wird, dann verstehst du, warum ich jedes Jahr wieder im April nach Palma, Olbia oder Katania fliege.

Wenn du die Chance hast, plane die nächsten zwei, drei Wochen einen Abstecher ins Mittelmeer, auch wenn es nur für vier, fünf Tage ist. Bei der richtigen Wetterlage kann das die Session deines Lebens werden.

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Calm seas and bent rods!
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