Artenkunde 6 Min. Lesezeit

Thunfischarten erkennen: Bluefin, Yellowfin, Albacore und Bigeye im Vergleich

Vier Thunfischarten, ein Kescher, und drei Sekunden, um die richtige Antwort zu geben. So unterscheide ich Bluefin, Yellowfin, Albacore und Bigeye anhand Flosse, Körper und Farbe.

Bluefin Yellowfin Albacore Bigeye
TunaIQ Mascot
TunaIQ Autor · Big-Game-Experte
Thunfischarten erkennen: Bluefin, Yellowfin, Albacore und Bigeye im Vergleich

Der Herbst ist die Zeit, in der sich im Mittelmeer und vor dem Ostatlantik die Wege gleich mehrerer Thunfischarten kreuzen. Ich stehe oft genug am Kiel, der Fisch kommt seitlich hoch, die Crew ruft schon den Namen, und ich halte kurz die Hand hoch. Erst hinsehen, dann reden. Wer dreißig Jahre auf Big Game unterwegs ist, hat gelernt, dass ein falscher Name am Boot schnell zu einem Problem wird, gerade bei Bluefin mit seinen strengen ICCAT-Quoten. Darum zeige ich dir heute, worauf ich wirklich schaue, wenn ein Thun neben dem Boot auftaucht.

Warum die Bestimmung am Kescher oft schwerer ist als gedacht

Von Weitem sehen sich alle vier Arten verblüffend ähnlich. Torpedoförmiger Körper, sichelförmige Finnen, metallisch glänzender Rücken. Gerade bei kleineren Exemplaren unter zwanzig Kilo verschwimmen die Unterschiede fast völlig, und selbst erfahrene Decksleute vertauschen Yellowfin und Bigeye regelmäßig. Ich habe mir über die Jahre eine feste Reihenfolge angewöhnt, in der ich den Fisch abtaste: zuerst die Brustflosse, dann die Form des Rückens, dann die Farbe der Finnen hinter der Rücken- und Afterflosse, und erst zuletzt den Rest. Diese Reihenfolge verrät mir fast immer in Sekunden, mit wem ich es zu tun habe.

Der Bluefin: der Schwergewichtler mit den kurzen Flossen

Der Atlantische Rote Thun ist für mich der König unter den vier Arten, und das merkst du schon an seiner Statur. Sein Körper ist massiv und fast zylindrisch, breiter und kompakter als bei den drei anderen Arten, mit Schultern, die bei einem großen Tier fast schon an einen Rumpf erinnern. Die Brustflosse ist auffällig kurz, sie reicht nicht einmal bis zum Beginn der zweiten Rückenflosse. Genau das ist mein erstes und zuverlässigstes Erkennungsmerkmal, denn alle anderen drei Arten haben eine deutlich längere Brustflosse.

Die Färbung ist metallisch dunkelblau bis fast schwarz am Rücken, mit einem silbrig schimmernden Bauch, der bei lebenden Tieren oft eine Reihe heller, fast weißer Flecken zeigt. Die kleinen Finnen zwischen Rücken und Schwanzflosse sind leuchtend gelb mit schwarzem Rand. Im Mittelmeer treffe ich den Bluefin vor allem zwischen Balearen, Sizilien und der Ägäis, oft an Temperaturkanten zwischen zwanzig und vierundzwanzig Grad. Als wandernde, kälteresistente Art zieht er bis in die kühleren Gewässer vor Norwegen und Kanada, was ihn von den drei tropisch geprägten Arten klar unterscheidet.

Der Yellowfin: schlank, golden, mit der langen Sense

Beim Gelbflossenthun erkenne ich sofort den schlankeren, gestreckten Körper. Wo der Bluefin wirkt wie ein Panzer, ist der Yellowfin gebaut wie ein Sprinter. Bei ausgewachsenen Tieren über fünfzig Kilo wachsen die zweite Rückenflosse und die Afterflosse zu auffälligen, sichelförmigen Fahnen aus, die weit nach hinten ziehen und dem Fisch seinen charakteristischen Namen geben. Die Brustflosse ist deutlich länger als beim Bluefin, reicht aber meist nicht ganz bis zum Ansatz der zweiten Rückenflosse.

Die Farbe ist das Verkaufsargument dieser Art: Ein intensiver, metallisch goldener Streifen läuft an der Flanke entlang, die Finnen und die Afterflosse leuchten in kräftigem Gelb, fast ohne den schwarzen Rand, den ich beim Bluefin sehe. Der Rücken selbst ist dunkel stahlblau. Verbreitet ist der Yellowfin in warmen, tropischen und subtropischen Gewässern weltweit, bei uns typischerweise ab zwanzig Grad Wassertemperatur vor den Kanaren, Madeira und den Azoren, oft rund um FADs und Baitballs in der oberen Wassersäule.

Der Albacore: die weiße Schwanzkante und die überlangen Brustflossen

Beim Albacore brauche ich meistens nur einen Blick auf die Brustflosse. Sie ist bei dieser Art extrem lang, bei größeren Exemplaren reicht sie fast bis zum Beginn der Afterflosse und ist damit länger als bei jeder anderen Thunfischart in unseren Gewässern. Der Körper ist dabei schlanker und weniger tief als beim Bigeye, fast zigarrenförmig.

Das zweite verlässliche Merkmal ist der schmale, aber durchgehend weiße Saum am Hinterrand der Schwanzflosse. Kein anderer der vier zeigt dieses Detail so klar. Der Rücken ist tief dunkelblau, der Bauch silberweiß, insgesamt wirkt der Fisch unauffälliger und weniger golden als Yellowfin oder Bigeye. Vor Madeira fange ich Albacore bevorzugt im zeitigen Frühjahr in der Vorsaison, meist zwischen sechzehn und achtzehn Grad Wassertemperatur, zwanzig bis dreißig Seemeilen vor der Küste und oft deutlich tiefer stehend als die wärmeliebenden Verwandten. Weltweit zieht er durch temperierte und subtropische Gewässer beider Hemisphären, was ihn zur am weitesten wandernden der vier Arten macht.

Der Bigeye: große Augen, hohe Rückenlinie, dunkles Gold

Der Bigeye wird mir am häufigsten mit dem Yellowfin verwechselt, und genau deshalb lohnt sich der genaue Blick. Sein Name verrät das wichtigste Detail. Die Augen sind im Verhältnis zum Kopf deutlich größer als bei den anderen Arten, eine Anpassung an sein Leben in tieferen, dunkleren Wasserschichten unterhalb der Sprungschicht. Der Körper ist tiefer und runder als beim Yellowfin, mit einem höheren Rückenprofil, das dem Fisch insgesamt eine kompaktere, fast gedrungene Silhouette gibt. Die Brustflosse sitzt zwischen den beiden Extremen, länger als beim Bluefin, aber kürzer als beim Albacore, und reicht ungefähr bis zum Beginn der zweiten Rückenflosse.

Farblich ist der Bigeye der unauffälligste der vier. Der Rücken zeigt ein dunkles, fast stahlgraues Blau ohne den auffälligen goldenen Flankenstreifen des Yellowfin, die Finnen sind gelb mit feinem schwarzem Rand, ähnlich wie beim Bluefin, aber insgesamt matter. Verbreitet ist er in tropischen und subtropischen Gewässern aller Ozeane, bevorzugt aber kühlere, tiefere Schichten als der Yellowfin und steht häufig an steilen Abhängen und Seamounts, wo ich ihn mit dem Echolot oft erst in sechzig bis einhundertzwanzig Metern Tiefe finde, lange bevor er an die Oberfläche kommt.

Mein Fazit

Wenn ich einen Fisch am Boot bestimmen muss, schaue ich in dieser Reihenfolge: Länge der Brustflosse, Form und Tiefe des Körpers, dann die Farbe der Finnen und der weiße Saum der Schwanzflosse beim Albacore. Kurze Brustflosse und massiger Körper bedeuten fast immer Bluefin. Lange, sichelförmige zweite Rücken- und Afterflosse mit goldenem Flankenstreifen zeigen den Yellowfin. Die überlange Brustflosse und der weiße Schwanzsaum verraten den Albacore sofort. Und ein kompakter, hochrückiger Körper mit großen Augen und mattem Gold weist auf den Bigeye hin. Übe diese Reihenfolge ein paar Mal am echten Fisch, und du wirst nie wieder lange nachdenken müssen, wenn die Rolle das erste Mal spricht.

Tags
#artenkunde #bestimmung #flossen #koerperform #faerbung #verbreitung
Tight Lines!
Powered by HookIQ TUNA